1. Mai 2017

9:30 Revolutionärer Block an der 1. Mai-Demonstration: Helvetiaplatz Zürich

12:30 Revolutionärer Treff. Infos zu G20 und Konzerte mit S.O.S. und Chaostruppe: Kanzleiareal Zürich
Die Basisstation im Kampf um Zürich’s Strassen. Laufende Informationen zur Lage aber auch zu anstehenden Mobilisierungen wie dem G20. Daneben natürlich stärkende Kulinarik und Kultur mit Chaostruppe und S.O.S.

Abendprogramm mit Infos zu Nekane & Live-Schaltung in die Türkei: Turnhalle auf dem Revolutionären Treff
Nach dem 1.Mai geht der Kampf weiter. Einige Ausblicke darauf gibt das Nekane-Bündnis, sowie der Input zu praktischen Belangen der Hamburger G20-Mobilisierung. Daneben Bilder und Live-Schaltung in die Türkei zum dortigen 1.Mai.

22. & 23. April: Politwochenende zum 1. Mai.

Politwochenende zum 1. Mai 2017 – 22.-23. April, Kanzleiareal Zürich

Samstag, 22. April:

14:30: Rebellion als Massenbetrug
Der Mainstream der linken Pop- und Subkultur gibt sich radikal, ist aber völlig konformistisch.
Der gegenwärtige Kapitalismus setzt nicht nur auf Repression und Unterdrückung, sondern verkleidet Herrschaft mit repressiver Toleranz: Er greift Wünsche nach Emanzipation, Autonomie und Pluralität auf, um sie zu vereinnahmen und sich so zu modernisieren. Nicht alles, was »subversiv« und »kritisch« daherkommt, ist es also auch. So auch der aktuelle Mainstream linker Pop- und Subkultur-Bands: Diverse »Zeckenrapper«, Punkrock- und Electro-Bands, die von Labels wie Springstoff oder Audiolith vertrieben werden, geben sich nonkonform und rebellisch, sind aber eigentlich völlig angepasst und kreuzbrav. Ihre Forderungen nach Diversität sind linksliberaler Common Sense, ihr Antifaschismus ist staatstragend, und ihr vermeintlicher Hedonismus nur neoliberaler Eskapismus. Das sagt einiges über den Zustand der Linken aus – und macht es modernen Rechten umso leichter, sich als Opposition zu verkaufen. Referent: John Lütten (Autor, Melodie & Rhythmus), Organisiert von der Tierrechtsgruppe Zürich

16:30: Soli-Versteigerung “Celox für Rojava”
Win-Win für Zürich und Rojava: Tolle Versteigerungsstücke und aktive Unterstützung der Kämpfenden in Rojava.

17:00 & 18:30: Türkei und Rojava: Aus dem Inneren des Krieges
Über die Wichtigkeit der Herstellung revolutionärer Kampfeinheiten.
In einem ersten Block spricht ein Repräsentant der HDBH [Vereinigte Revolutionäre Volksbewegung] über die Überlegungen, die zu diesem Bündnis der verschiedenen bewaffnet kämpfenden linken kurdischen wie türkischen Organisationen und Parteien der Türkei geführt haben: “Es gibt eine Kraft, eine Bewegung, die ausserhalb des staatlichen Zugriffs agiert: das ist die Guerilla. So lange die Guerillabewegng da ist, wird Erdogan Schwierigkeiten haben seine Regierung fortzuführen” (Riza Altun).
Im zweiten Block berichteten spanische Gründungs-MitgliederInnen des Internationalen Freiheitsbataillons [IFB] in Rojava über ihre Erfahrungen und die Rolle schlagkräftiger internationalistischer Verbindungen.

Sonntag, 23. April:

14:00: Den Feind kennen. Internationale Netzwerke der militanten Fascho-Szene am Beispiel Unterwasser
Markus Bernhardt, Autor und Journalist, geht Verbindungen und Geldflüssen zwischen dem Thüringer Faschisten-Sumpf und hiesigen Strukturen nach.
Nicht erst seit dem “Rocktoberfest” 2016 in Unterwasser (SG) ist bekannt, dass Neonazis gut vernetzt sind. Ein Teil der Organisator*innen des grössten Neonazikonzerts der Nachkriegsgeschichte stammen aus Deutschland bzw. aus Thüringen und ferner aus Sachsen, wohin auch ein Grossteil der beträchtlichen Einnahmen flossen. Weitere Einnahmen gingen an das Umfeld von Ralf Wohlleben, welcher immer wieder mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) in Verbindung gebracht wird. Der NSU war kein isoliertes Trio, welches einfach vom Versagen der Geheimdienste profitiert hat. Hinter Banküberfällen, Bombenanschlägen und Morden steht vielmehr ein weitverzweigtes Neonazi-Netzwerk, das Infrastruktur, finanzielle Unterstützung, ideologischen Rückhalt und Kommunikationskanäle bereitstellt.
Eine grosse Rolle spielte auch der Verfassungsschutz (Deutscher Inlandsgeheimdienst). In Thüringen geht beispielsweise die Gründung des neofaschistischen „Thüringer Heimatschutzes“, aus dem sich auch die drei Rechtsterroristen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe des NSU rekrutierten, auf den dortigen Verfassungsschutz zurück; in den „Thüringer Heimatschutz“ flossen allein über den V-Mann Tino Brandt knapp 200.000 DM aus dem Etat des Verfassungsschutzes.
Über die Hintergründe solcher “staatsnaher” Nazi-Strukturen, die aktuelle Entwicklung neofaschistischer Strukturen/Parteien in der Bundesrepublik – insbesondere in Thüringen und Sachen – und deren internationale Vernetzung wird uns Markus Bernhardt informieren.
Als Journalist, unter anderem für die Tageszeitung “junge Welt” und die Wochenzeitung “Unsere Zeit”, hat sich Markus Bernhardt nicht erst seit der Aufdeckung des NSU intensiv mit dem Thema befasst. 2012 erschien diesbezüglich von ihm im Papyrossa-Verlag das Buch „Das braune Netz. Naziterror – Hintergründe, Verharmloser, Förderer“.

 15:30: Linke Strategien gegen rechte Hetze
Was tun gegen die Politik der Spaltung? Beiträge zur Analyse der aktuellen Rechtsentwicklung und zu revolutionären Gegenstrategien.
In der kapitalistischen Krise verschärfen die Rechten ihre spalterische Politik. Vielerorts gewinnen rechte Parteien an Boden: sie bekämpfen jede proletarische Solidarität und greifen soziale Errungenschaften an. Was hat die revolutionäre Linke in so reaktionären Zeiten zu tun? Die Veranstaltung leistet Beiträge zur Analyse der Rechtsentwicklung und bietet den Rahmen für eine strategische Diskussion.

17:00: Widerstand in den USA – Aktuelle Herausforderungen der revolutionären Bewegung in den USA
Jeremy Glick (Schriftsteller und Aktivist aus New York) berichtet über die aktuelle Situation und die Geschichte der verschiedenen revolutionären Bewegungen in den USA.
Mit der politischen Krise in den USA ist der Widerstand auf der Strasse wieder zum Mittelpunkt linker Politik geworden. Massenhaft demonstrieren, blockieren und kämpfen Ausgebeutete und Unterdrückte täglich gegen den Rechtsrutsch und für eine emanzipatorische Perspektive. Für die verschiedenen revolutionären Kräfte in den USA sind dies neue Perspektiven und Herausforderungen. Wir sprechen mit dem Aktivisten Jeremy Matthew Glick aus New York über die Situation und die verschiedenen Ansätze revolutionärer Bewegungen in den USA.

Neben den Veranstaltungen gibt es Infozelte zu verschiedensten politischen Themen, Essen, Siebdruck, Barbetrieb und Infos rund um den 1. Mai!

1. Mai 2014: Ab auf die Strasse!

Mit 2000 Personen nahmen wir uns am Abend nach der Annahme der Abschottungsinitiative in Zürich unbewilligt die Strasse. Ohne bei den Behörden nachzufragen, ohne lästige Diskussionen darüber, wo man hin darf und wo nicht. Sondern aus Wut über ein Abstimmungsresultat, das von Rassismus beflügelt wurde. Diese und weitere Demonstrationen im vergangenen Jahr zeigten, dass wir auch ohne Bewilligung auf die Strasse gehen können.

Wir können es nicht nur, wir wollen es auch. Denn wir denken, dass es ein Hohn ist, wenn man mit denjenigen, die man sonst immer kritisiert, darüber verhandeln muss, was an einer Demonstration erlaubt ist und was nicht. Erlaubt ist in Zürich was nicht stört. Aber wollen wir wirklich den Regierenden die Bestimmung über das Erlaubte gewähren? Es ist kein Zufall, dass die Route am Vormittag nicht über den Paradeplatz führt! Es ist das Resultat der Institutionalisierung der Demonstration durch Gewerkschafts- und Parteispitzen, Hand in Hand mit den PolizeivorsteherInnen Maurer, Leupi und Wolff.

Wir denken, dass ein antikapitalistischer Widerstand nicht als Bittsteller beim kapitalistischen Staat auftreten kann. Erst recht nicht an einem Tag wie dem 1. Mai. Seit mehr als 100 Jahren wird er als Kampftag begangen. Von Arbeitern und Arbeiterinnen, die auf die Strasse gehen, um gegen miese Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Von AntifaschistInnen, die gegen Nazis aktiv sind. Von Frauen, die den Frauenkampf auf die Strasse tragen. Die Liste lässt sich verlängern – die Konstante ist der Widerstand gegen Missstände sowie der Kampf für eine solidarische Perspektive.

An diesem Tag muss es darum gehen anzuecken, statt abzunicken. Nicht gute Miene zum miesen Spiel machen, sondern gegen das demonstrieren, was uns stört. Gemeinsam, mit den verschiedensten Inhalten auf der Strasse. Das macht den 1. Mai so wichtig und spannend: Die verschiedensten Kämpfe kommen an einem Ort zusammen, antikapitalistische und antirassistische Inhalte werden auf die Strasse getragen!

Gehen wir am 1. Mai also auf die Strasse. Nicht auf dem Sechsiläutenplatz, wo sich sonst die Zünfter feiern lassen, sondern im Kreis 4, der durch die “Stadtaufwertung” kaputt gemacht werden soll. Ihre Aufwertung gibt es nur für die, die es sich leisten können. Die anderen müssen raus, notfalls mit Rayonverboten und Polizeieskorte. Setzen wir dagegen ein Zeichen!

Kommt in den Kreis 4. Lasst uns unsere Inhalte auf die Strasse tragen.
Am 1. Mai ab auf die Strasse: 15 Uhr, Helvetiaplatz / Bäckerstrasse Zürich.

Heraus zur antikapitalistischen 1. Mai-Demo – im Kreis 4 statt auf dem Zünfterplatz!

Heraus zum 1. Mai in Zürich!

Revolutionärer Block – 9:30 Uhr Lagerstrasse

**Widerstand aufbauen – Kämpfe verbinden***

 

Revolutionärer Treff  – 12:30 Uhr Kanzleiareal

Konzert mit “The Coup”  “Chaostruppe” (Hip Hop aus Bern) als Support

*** Vegane Verpflegung *** Büchertische *** Info-Zelte *** Infos zum 1. Mai *** und mehr ***

 

Ab 19 Uhr in Kanzleihalle:

Veranstaltung mit Boots Riley von “The Coup”

Boots Riley ist in den Kämpfen Oaklands (USA) aktiv und erzählt von dortigen Erfahrungen.

Zudem: Treffpunkt gegen allfällige Repression, Infos was tagsüber in Zürich und sonst wo lief & Kulturprogramm.

 

 

1. Mai 2013 – Politprogramm

Der 1. Mai 2013 steht vor der Tür! und damit Demonstrationen und Widerstand überall auf der Welt!

In Zürich beginnt der 1. Mai schon am Wochenende des 27. und 28. April, mit dem Polit-Wochenende auf der Kanzlei!

 

Samstag, 27.4.2013

Streik! Kampf im Betrieb und auf der Strasse

Mit Gästen aus Neuchâtel und international.

Verstärkt sich die Krise, verstärken sich auch die Kämpfe. Wie können revolutionäre Kräfte in Arbeitskämpfen intervenieren und sie unterstützen? Was ist unser Verhältnis zu solchen? Wir wollen dies anhand der letzten Streiks wie beim Spital in Neuchâtel oder bei Neupack in Hamburg diskutieren.

16 bis 18 Uhr

Der revolutionäre Kampf in Europa: Von den Wurzeln zu den Perspektiven.

Mit Beiträgen aus verschiedenen Ländern

Was waren die Perspektiven des revolutionären Kampfes damals, und was für Lehren können wir für heute daraus ziehen? Was sind die Fragen und Schwierigkeiten? Es geht um das Herzstück revolutionärer Politik!

19 bis 21 Uhr

 

 

Sonntag, 28.4.2013

Verteidigung proletarischer Quartiere

Mit Militanten aus Turin, Padova Berlin und Zürich.

Erfahrungsaustausch über den Kampf gegen Stadtentwicklung. Wir spannen den Bogen von den Kämpfen gegen Aufwertung und Verdrängung in Zürich zur massenhaften Verhinderung von Zwangräumungen in Italien und Berlin. Was lässt sich daraus entwickeln?

15 bis 17 Uhr

Viele Wege führen auf die Strasse!

Diskussion und Erfahrungsaustausch mit unseren internationalen Gästen.

Wie holen wir die Initiative zurück angesichts der Auseinandersetzungen um die Strasse? Was verbindet die Erfahrungen aus Deutschland (Antifa etc.), Italien (No-TAV u.a.) und der Schweiz (1.Mai etc.).

Was sagen die Ex-Gefangenen von No-TAV, vom 1. Mai in Zürich …?

18 bis 20 Uhr

 

Während dem ganzen Wochenende:

Mit den kämpfenden Gefangenen weltweit an den 1. Mai

Ausstellung zu Marco Camenisch von italienischen AnarchistInnen!

 

*** Vegane Verpflegung *** Büchertische *** Info-Zelte *** Infos zum 1. Mai *** und mehr ***

Knastspaziergang Lenzburg – Freiheit für Marco!

Wir sind heute kämpferisch und entschlossen mit 50 Personen durch die Lenzburger Innenstadt vom Bahnhof zum Knast gelaufen. Anlass dafür ist das nicht gegebene Drittel auf Bewährung. Während in der Regel nach zwei Drittel der Knastzeit das letzte Drittel auf Bewährung erlassen wird, ist dies bei Marco aus politischen Gründen verweigert worden.

Am Bahnhof besammelte sich der Knastspaziergang trotz einer grossen Bullenpräsenz. Diese versuchte mit Personenkontrollen die Leute von der Teilnahme an der Demo abzuhalten – es gelang ihnen nicht. Die Demo zog darauf vom Bahnhof aus los, dabei wurden verschiedene Parolen gerufen und Reden gehalten. Die Bullen liefen Spalier, die Demo ignorierte sie. Vor dem Knast wurde Marco herzlich gegrüsst und Reden betonten die Bedeutung unserer Solidarität angesichts ihrer Repression. Feuerwerk machte zusätzlich auf den Spaziergang aufmerksam und flogen über die Knastmauern. Parolen-rufend zog die Demo zurück zum Bahnhof und wurde dabei von der lokalen Bevölkerung solidarisch begrüsst.

Im Moment steht bei Marco das nicht-gegebene Drittel im Zentrum. Während üblicherweise Gefangene nach zwei Drittel ihrer Haft auf Bewährung entlassen werden, ist dies bei Marco abgelehnt worden. Zum einen, weil ihm die Vorbedingungen für eine derartige Entlassung verweigert werden. Ein bewachter Hafturlaub wird nicht zugelassen, denn er denkt „die Gesellschaft ist im Krieg“. Angesichts der weltweiten Situation keine falsche Behauptung. Zum anderen wird ihm das Drittel verweigert, weil er nach wie vor ein politischer Militanter ist, der sich auch ausserhalb des Knastes einmischt und beteiligt. Kurz: Der einzige Grund, warum er nicht rauskommt, ist seine ungebrochene revolutionäre Identität.

Auch am diesjährigen 1. Mai werden die kämpfenden Gefangenen sowohl am Wochenende vor dem 1. Mai auf dem revolutionären Treff wie auch am 1. Mai im Block und auf dem Treff präsent sein. Wir wollen ihre Kämpfe auf die Strasse tragen und für ihre Freiheit kämpfen!

Freiheit für alle politischen Gefangenen
Unsere Solidarität gegen ihre Repression
Gegen die Angriffe von oben – weltweit kämpfen!

Revolutionäres Bündnis Region Zürich, 21.4.2012

Gegen die Angriffe von oben…

Weltweit nehmen die Angriffe auf Arbeits- und Lebensbedingungen, von den Herrschenden „Krisenlösungen“ genannt, der arbeitenden Bevölkerung zu. Ob in Form von Entlassungen, Rentenkürzungen, Lohnsenkungen oder ganzen Sparpaketen: Es zeigte sich auch im vergangenen Jahr, dass die Konsequenzen dieser längst noch nicht überstandenen Krise des Kapitalismus auf die untere Klasse abgewälzt wird. Aussagen wie jene von Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass es in Bezug auf die Weltwirtschaft wegen des Schuldenschnitts in Griechenland Grund zu mehr Optimismus geben würde, zeigen auf, wo die Grenzen innerhalb der Gesellschaft verlaufen. Sie verlaufen nicht zwischen da und hier, sondern zwischen oben und unten. Doch Grund zu Optimismus gibt es weder für die Bevölkerung Griechenlands noch für jene anderer „Krisen“-Staaten. Der Schuldenschnitt wurde vom IWF durchgedrückt und von der griechischen Regierung auf brutale Weise umgesetzt, sprich: Die Löhne wurden gesenkt, die Renten gekürzt, Versicherungen abgeschafft. Auch in der spanischen Jugend, mit einer Arbeitslosigkeit von 46%, dürfte ein Blick nach Griechenland wenig Optimismus, sondern vielmehr grosse Besorgnis auslösen. Es zeigt sich, dass sich die Angriffe auf die prekären Lebensverhältnisse des Proletariats verschärfen und dies nicht nur in Griechenland oder Spanien, sondern auf der ganzen Welt an der Tagesordnung steht.

Auch wenn in der Schweiz die Verschärfungen der Lebensverhältnisse der unteren Klasse in ihrem Ausmass nur schwer einem internationalen Vergleich standhalten können, so greifen auch hier die­selben Mechanismen, mit welchen die Krisen des Kapitalismus bewältigt werden sollen:
Sozialleistungen sollen gekürzt, Arbeitsverhältnisse flexibilisiert und rentabilisiert werden. Das jüngste Beispiel für die Schweiz sind hier etwa die Leistungskürzungen im Rahmen der IV Revision 6b, das Sparprogramm SAN 10, die Kürzungen und Teuerungen an den Fachhochschulen und Universitäten, die Kurzarbeit oder der nicht enden wollenden Ruf nach einer Erhöhung des Rentenalters.

Weltweit kämpfen…

Auch wenn das Ausmass und die Intensität der Angriffe der Herrschenden auf die Lebensbedingungen der unteren Klasse in den letzten Jahren teilweise jeglichen Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse zu ersticken scheinen, so lässt ein Blick auf die internationalen Geschehnisse doch auch eine andere Optik und so auch mehr Hoffnung zu. Denn weltweit formieren sich Protest und Widerstand gegen die Abwälzung der Krise nach unten:
So machten in Deutschland vor einiger Zeit streikende Fluglotsen Schlagzeilen, weil das Arbeitsge­richt ihren Streik illegalisierte. Derartige Interventionen der Herrschenden bei Arbeitskämpfen sind weder neu noch verwunderlich, denn gerade der Flughafen ist ein Ort, wo sich die Macht der Arbeiter_innen konzentrieren kann: Es ist ein Ort, wo logistische, militärische und finanzielle Interessen des Kapitals zusammenlaufen, gleichzeitig aber auch verschiedenste ArbeiterInnen und Angestellte zusammenkommen. So hat sich beispielsweise bei diesem Streik gezeigt, dass auch eine Intervention von vermeintlich wenigen Personen eine Gegenmacht von unten darstellen kann, da es sich um einen für das Kapital sehr zentralen Ort handelt.
Ganz Ähnliches ereignete sich bei der Hafenbesetzung in Oakland. Der Arbeitskampf der Hafenar­beiter entwickelte sich zu einer derart intensiven Klassenkonfrontation, dass der US-amerikanische Staat sogar mit einem Militäreinsatz gedroht hat. Hunderte von HafenarbeiterInnen haben dort ihren Hafen gestürmt und die Ladungen zerschlagen. Die Gewerkschaft und ihre Mitglieder wurden allesamt verhaftet. In diesem Arbeitskampf hat das wichtige Moment der Verbindung verschiedener Kämpfe innerhalb der unteren Klasse letztendlich zum Sieg geführt: Eine neuartige soziale und po­litische Bewegung, die Occupy-Bewegung hat sich mit dem Arbeitskampf der Hafenarbeiter solida­risiert und verbündet.
In vergleichbarer Weise geschah dies auch im Fall der seit November 2011 streikenden 300 Stahlar­beiter von Halyvourgia Ellados in Griechenland. Der Unternehmer wollte die Arbeiter dazu zwin­gen, eine Verkürzung des Arbeitstags auf 5 Stunden und eine Lohnsenkung um 40 % zu akzeptie­ren. Dies hätte einen Monatslohn von 500 Euro ergeben. Der anfänglich sehr unbekannte Streik, es wurde wie so oft in den grossen bürgerlichen Medien kaum darüber berichtet, hat mittlerweile eine sehr breite Unterstützung erfahren und die Inhalte der Streikenden führen weit über Lohnforderungen hinaus. So sehen die streikenden Stahlarbeiter ihre Arbeitsniederlegungen mittlerweile nicht als blossen Arbeitskampf, sondern als Widerstand gegen die Angriffe von Staat und Kapital auf die Würde und Lebensbedingungen aller GriechInnen der unteren Klasse.
Auch die Interventionen gegen ein neues Terrasse für den Hochgeschwindigkeitszug Treno Alta Ve­locità (TAV) haben sich zu einem Widerstand entwickelt, in welchen Inhalte verschiedenster Grup­pierungen Einzug fanden und sich die Kämpfe durch eine breite Solidarität verbinden konnten. So wird im Val di Susa, einem Alpental unweit von Turin, bereits seit Ende der 1990er der Widerstand gegen diese neue Trasse für den Hochgeschwindigkeitszug auf die Straße getragen. Bis jetzt mit Er­folg: Die Bauarbeiten haben auch nach gut zwanzig Jahren Bauplanung noch immer nicht begon­nen. Trotz Spaltungsversuchen des italienischen Staates ist der Widerstand breit und vernetzt, so dass zusammen mit der ansässigen Bevölkerung immer wieder Baustellenbesetzungen und Solidemos in verschieden Städten Italiens stattfinden können.

… auch in der Schweiz

In den bürgerlichen Medien wird hierzulande gerne betont, dass die Schweiz weitgehend von der Krise verschont sei und alles ruhig bleibe. Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf die Ereignisse der vergangenen Jahre, so fällt auf, dass diesem bürgerlichen Schöngerede viele (klassen)kämpferische Auseinandersetzungen gegenüber stehen:

So haben beispielsweise die Arbeiter der SBB-Werkstätten (Officine) in Bellinzona im Frühjahr ’08 33 Tage lang gestreikt und ihre Werkstatt besetzt. Durch eine breite Mobilisierung von Gesellschaft und Politik konnten über 400 Beschäftigte die Restrukturierungspläne der SBB-Direktion er­folgreich bekämpfen und den Standort erhalten.
Im Oktober vergangenen Jahres kündigte Novartis den Abbau von rund 1100 Arbeitsplätzen in der Schweiz an. Es ging um 760 Stellen in Basel und die Werksschliessung mit 320 Arbeitsplätzen in Nyon. Schon am Abend der Verkündung der Massenentlassung versammelten sich in Nyon 120 Ar­beiterinnen und Angestellte und beschlossen Kampfmaßnahmen gegen die bevorstehende Werks­schliessung und schon kurze Zeit später stand die ganze Belegschaft dahinter. ArbeiterInnen und Angestellte kämpften gemeinsam gegen ihre Entrechtung.
Die Ergebnisse der Kämpfe sind durchwachsen: In Basel wurde die Anzahl der vom Abbau Betroffenen von 760 auf 670 reduziert. Der grösste Anteil des Abbaus soll über interne Versetzungen und Frühpensionierungen geregelt werden, so dass es noch zu maximal 250 Entlassungen kommen soll.

… und in Zürich

Im Moment ist auch der öffentliche Raum der Stadt Zürich von verschiedenen Protesten geprägt.
So setzten sich beispielsweise am 9. März 2012 ca. 200 Studierende mit einer lautstarken Spontandemo und einer kurzzeitigen Besetzung des Gebäudes der Bildungsdirektion gegen die geplanten Studiengebührenerhöhung und die zunehmende Ökonomisierung der Bildung zur Wehr. Gegen den zunehmenden Bildungs- und Sozialabbau wurde am 31. März erneut demonstriert.
Ein anderes Beispiel ist die Demo gegen die Räumung der seit 6 Jahren bestehenden Kultur- und Wohnfabrik „Binz“. Doch an dieser Demo wurde nicht nur mehr Raum für Kultur und Leben eingefordert, sondern auch lautstark gegen die Gentrifizierung, also gegen die Aufwertung bisher preiswerter Wohnviertel protestiert. Die Kritik an der neoliberalen Version kapitalistischer Urbanisierung wurde auf die Strasse getragen und so zeigt all dies, dass die Kritik vieler junger Menschen über einfache Tagesforderungen hinausgeht. Aktuell wird offensichtlich auf eine neue Art und Weise die eigene Betroffenheit in einen grösseren gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt und vermehrt eine antikapitalistische Haltung eingenommen.

Diese Haltung spiegelte sich teilweise auch bei den Krawallen wieder, welche letztes Jahr im Abstand einer Woche am Central und Bellevue stattfanden. Die Riots wurden von den bürgerlichen Medien einmal mehr als reines Chaotentum abgetan. Dies ist falsch, denn der Ursprung der Auseinandersetzung lag in der Kritik an den zunehmenden Repressalien, Einengung von Freiräumen und totalen Kommerzialisierung von Kultur und Freizeit. So sind die Krawalle zwar vorbei, doch die Wut und die Kritik bleiben. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Wut neu entlädt. Sei es wegen erhöhten Studiengebühren, der zunehmenden Repression, den restriktiven Massnahmen in den Betrieben, dem Sozialabbau, dem herrschenden Sexismus, Wohnungsnot und alledem, was uns der Kapitalismus noch zu „bieten“ hat!

Der erste Mai ist ein Tag, an dem wir unsere Kämpfe verbinden können und gemeinsam stark werden, in Zürich und anderswo. Tragen wir die revolutionäre Perspektive gemeinsam auf die Strasse!

Für einen starken 1. Mai!

Der einzige Ausweg aus der Krise heisst Revolution!